11.12.2006

Netzkunst meets Videokunst

Picture 1.jpgDie Netzkunst der 90er Jahre war Bilderstürmerin: Als jüngste Avantgarde rebellierte sie nicht nur gegen die althergebrachte bildende Kunst, sondern auch gegen die Videokunst, die sich in den 8oer und 90er Jahren als neustes Genre im Kunstbetrieb etablierte. Nun kommentiert der Ex-Netzkünstler Heath Bunting seine Internet-Arbeit auf Video – kehrt der verlorene Sohn heim?


Mit dem verlorenen Sohn aus der Weihnachtsgeschichte teilt Bunting die Eigenschaft, abgebrannt zu sein. Zumindest sind das seine eigenen Worte: Sein Leben und seine Arbeit befinde sich in Auflösung, heisst es am Anfang des Videos „memorial stone“, das Bunting auf Google zum freien Herunterladen dieser Tage veröffentlicht hat. Produziert hat Bunting es zusammen mit der Videokünstlerin Kate Rich vom Bureau of Inverse Technology. Die Netzkunst habe ihm keind Geld eingebracht, heisst es später im Video, das darum nur „die Ruinen und Überreste“ seiner Internet-Arbeiten dokumentiere. Doch nur schon der Drehort versinnbildlicht, dass von einer richtigen Heimkehr ins festgebaute Haus der Kunst nicht die Rede sein kann: Die Sequenzen sind fast alle draussen im Wald entstanden, in Frankreich und vor allem im britischen Bristol, wo Bunting derzeit lebt. Der Aussenraum, sei es der Wald oder auch eine Stadt, sind der neue künstlerische Aktionsraum Buntings, dort hat er, meist alleine mit der Videokamera, über seine Arbet als Netzkünstler reflektiert. Nicht zu einem reumütigen Heimkehrer passen will auch die Publikumsbeschimpfung, die das Video für seine Betrachterinnen und Betrachter in bester Avantgarde-Manier bereithält. Und auch nicht der Humor und die Selbstironie, mit der Bunting vor der Kamera posiert. Das Video verlangt etwas Musse, bis man sich hineingehört hat, doch es lohnt sich: Wie der Bilderstürmer Bunting sich zum grössten Videokünstler erklärt, sollte man sich nicht entgehenlassen.



Publiziert von Admin Deutsch am 11.12.2006 09:36 in Sehen


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