29.11.2006

Fluide Widerspenstigkeit

Dass Spannung, Widerstand und Stromstärke einander bedingende Grössen sind, ist bekannt. In der Kunst mit elektronischen Medien geht es aber nun mal nicht nur um Physik. Weshalb es lohnen kann, diese Trias zur Abwechslung auch einmal in einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.


Und schon stellt man fest: Spannung und Widerstand hängen nicht allein von der Stromstärke ab. Sondern beispielsweise auch davon, wie Körper und Technologien miteinander verschränkt werden.
Welche Rolle die Kategorie Geschlecht in diesem Zusammenhang spielt. Welche ästhetischen Strategien zum Einsatz kommen und welche Politik auf diese Weise gemacht beziehungsweise unterlaufen wird.
yvb_g.gifEben diese spezifischen Spannungsfelder untersucht die Zürcher Kunstwissenschaftlerin und Dozentin am FHNW-Insitut für Medienkunst Aarau Yvonne Volkart in ihrem Buch „Fluide Subjekte. Anpassung und Widerspenstigkeit in den Medienkunst, das gerade frisch beim Bielefelder [transcript]-Verlag erschienen ist.

Ihre These: Flüssigkeit und Verflüssigung von (Geschlechts-)körpern, wie sie allenthalben in der Kunst mit elektronischen Medien begegnet, „deutet auf die Verhandlung ‚fluidisierender‘ Effekte [in] der Informationsgesellschaft.“ Deren Teil ja nun mal auch das Kunstschaffen ist – zumal dann, wenn es sich eben jener Medien bedient, über die sich die Informationsgesellschaft definiert: Video, Fernsehen, Netz, Digitale Bilder und Datenstreams.
Am Donnerstag, 30.11.06 um 20:00 Uhr stellt die Autorin nun ihr Buch im Basler [plug.in] vor – und ihre Thesen zur Diskussion. Mit von der Partie ist ausserdem Sigrid Schade, Leiterin des Institut Cultural Studies in Art Media & Design (ICS) an der HGKZ Zürich und ihrerseits seit langen Jahren Expertin auf dem Feld Gender, Medien und Kunst.

Das dürfte spannend werden. Das Buch, das einen Bogen von den Maschinenmythen über monströse Geschlechtskörper bis zu Cyborgs im Zustand der Selbstauflösung spannt und dabei die Verstrickungen fluider Subjekte anhand von Arbeiten zeitgenössischer KünstlerInnen von Mariko Mori, Matthew Barney und den Chapman-Brüdern bis Kristin Lucas, Shu Lea Cheang und Yves Netzhammer entflicht, ist es in jedem Fall.



Publiziert von Admin Deutsch am 29.11.2006 21:33 in Hingehen, Lesen


Keywords: [Gesellschaft] [Medienkunst] [Politik] [Video]


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