28.09.2006

Medienkünstlerisch armierter Postpetrolismus

U1968698-Carter.6.20.79.jpgNaturschutz und Kunst: eine höchst spannungsgeladene Verbindung, aber natürlich spätestens seit Joseph Beuys Teil der Kunsthistorie. Der Zürcher Roman Keller, diplomierter Umweltwissenschaftler, Fotograf und (Medien)Künstler, verschränkt die zwei Disziplinen in seiner Person wie in seinen Arbeiten. Zusammen mit der Videokünstlerin Christina Hemauer ist er derzeit in den USA unterwegs, auf den Spuren von Jimmy Carters „Solar America“-Programm aus dem – heute so unvorstellbar vergangenen – Jahre 1979.


Diesen Sommer haben Christina Hemauer und Roman Keller in einer Zürcher Veranstaltung den „Postpetrolismus“ ausgerufen und damit seine Doppelexistenz zwischen Kunst und Umweltschutz theatralisch umgesetzt. Ansonsten ist er damit beschäftigt, mittels einer Netzplattform eine Kultur des Abschaltens zu lancieren – auf den dazugehörigen chicen Kippschalter, der das Energiesparen via Abschalten zu einer Stilsache machen soll, warten wir zwar noch immer. Doch nun hat uns eine Nachricht der zwei USA-Reisenden Keller und Hemauer erreicht und natürlich verstehen wir, dass Jimmy Carters historischer Feldzug für erneuerbare Energien Keller in Bann geschlagen hat – die weltpolitischen Ereignisse nach 1980 (Revolution im Iran, Geiselnahme der amerikanischen Botschaft, Afghanistan) haben Jimmy Carters Engagement ja bekanntlich abrupt vom Energie- ins Militär-Ressort umgeleitet. Ein einführender Video von Christina Hemauer und Keller zur Geschichte von Carters visionärer Initiative sei an dieser Stelle als Auffrischung des zeitgeschichtlichen Wissens wärmstens empfohlen – nicht zuletzt deswegen, weil diese Empfehlung es General Stumm erlaubt, die Wichtigkeit des Militärischen für die Weltgeschichte vorzuführen, ohne viele eigene Worte zu machen. Keller und Hemauers USA-Projekt heisst übrigens „A moral equivalent of war“, was natürlich Idealismus der gröbsten Sorte andeutet, doch Kellers Fortsetzung des Umweltschutzes mit medienkünstlerischen Mitteln lässt uns trotzdem nicht kalt. Ebensowenig wie Kellers Illumination eines einstigen Beuys-Projektes mittels einer handelsüblichen Zitrone.
Bildnachweis: Jimmy Carter vor dem Weissen Haus, hinter ihm die Solarzellen-Installation, die sein Nachfolger Ronald Reagan umgehend wieder entfernten liess.
Hintergrund-Bericht zu Keller auf clickhere.ch vom März dieses Jahres.



Publiziert von Admin Deutsch am 28.09.2006 09:03 in Sehen


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