10.08.2006

Zum Jubiläum 25 Jahre PC eine persönliche Geschichte

25 Jahre ist es her, seitdem der potthässliche IBM PC auf den Markt kam. Ein grauenhaftes Ding. Und trotzdem: Erfolgreich wie nur weniges. So vieles, fast alles hat sich verändert – nur die Zweiteilung in IBM und Apple hat sich gehalten. Ich bekenne: Ich war keiner der coolen Mac Besitzer – und bin es heute noch nicht – sondern ein ganz banaler PC Mensch.


Mein erster und schönster Computer war aber weder ein Mac noch ein PC sondern etwas ganz Anderes: Ein Commodore 64 in einer exotischen Ausführung als „portabler Computer“ namens Commodore SX 64. Er sah ungefähr aus und war auch so gross wie ein Reanimations-Koffer. Wenn man den Deckel abnahm, der gleichzeitig als Tastatur diente, schaute man auf einen farbigen Mini-Bildschirm und auf einen Schlitz für die grossen Disketten…

Den Computer, das muss ich heute sagen, kaufte ich primär aus Neugier. Eigentlich hatte ich keine Zeit, aber der Wunsch so ein Ding zu besitzen, war grösser. Es gab aber einen guten Vorwand: Man konnte mit einem entsprechenden Interface einen Synthesizer mit der eben gerade erfundenen Midi-Schnittstelle steuern. Das ging ganz gut auch wenn die Sache nur bedingt bühnentauglich war. Ich war es ja auch nicht. Später kaufte ich mir ein fettes Buch mit einem Logo-Kurs für Kinder. Ich dachte, wenn die das schaffen, kann ich es vielleicht auch probieren – und erlebte damit erste, ungeahnte Höhenflüge. Etwa wenn man mit wenigen Zeilen ein Programm zu Zeichnen eines Quadrats dazu brachte, ein Vieleck zu zeigen und schliesslich einen Kreis…und Spiele. Neben Dingen wie Space Invaders kamen damals so gennante Text Adventures auf. Spiele, die man in einem meist englischen Dialog spielte…

Ja – und später kaufte ich dann einen IBM Klon. Mit zwei Diskettenlaufwerken, weil mein Geld für eine Harddisk nicht reichte. Damals, das war ungefähr 1984. Den Computer hochzufahren war ein kleines Kunstwerk. Man musste dazu nämlich die Dos-Diskette einlegen und warten. Sobald das zeichen >dir erschien konnte man die nächste Diskette (Speicherplatz 360 KB) mit dem Programm einlegen. Es war Word 1.0 von Microsoft. Und das lief ganz passabel. Gedruckt habe ich damals nicht auf einem dieser schrecklichen Nadeldrucker nein – ich legte mein Geld in einem Typenrad-Drucker an. Der druckte einwandfrei und kein Mensch konnte merken, dass der Text nicht mit Schreibmaschine sondern auf einem Computer geschrieben war. Dafür lärmte die Maschine wie ein Hammerwerk und ich musste manchmal zum Zimmer rausgehen, wenn er einen längeren Artikel druckte….

Nur kurze Zeit später gings bereits in Ausland und mein neuer PC musste zu Hause bleiben. Ich kratzte all mein Geld zusammen und kaufte für ein Heidgengeld einen portablen Computer – einen Bondwell. Er hatte nur noch ein Diskettenlaufwerk, weil die Harddisk hier noch teurer gewesen wäre. Aber Er lief, nur bei Bürotemperaturen ab 40 Grad – in der IKRK-Delegation von Pakistan damals keine Seltenheit – versagte er hin und wieder den Dienst.

Aus dieser Zeit gibts noch eine andere Anekdote zu erzählen: Aufgrund der Spannungsschwankungen im lokalen Netz fiel mein Netzteil einmal aus. Ich wollte schon – damals noch per Telex – ein neues aus der Schweiz bestellen. Rolf Sommerhalder, damals als Radiotechniker bei uns unterwegs hörte davon und meinte: Sowas gibts sicher auf dem Bazar unserer Stadt, Peshawar. Tatsächlich, zwei Stunden später zeigte er mir einen merkwürdigen Blechkasten – offensichtlich aus Abfallteilen gefertigt, mit einem Transformator darin. „Ich habs gemessen, es macht genau so viel Strom, wie Du brauchst“. Das low-tech Teil funktionierte trotz meines Misstrauens auf Anhieb und steht wohl heute noch irgendwdo in meinem Keller.

Retronica: Netzwerk zum Thema Computergeschichte in der Schweiz



Publiziert von Dominik Landwehr am 10.08.2006 09:34 in Spielen


Keywords: [Kinder]


Ausserdem