08.08.2006

Wikipedia und die Demokratisierung der Information

Wikipedia, Blogs und andere Erscheinungen der neuen Internet Szene werden in den „alten“ Medien heftig diskutiert und mit Misstrauen gemustert. Nach einer ersten Phase der Ablehnung und des Misstrauens von Seiten der Journalisten etabliert sich nun aber immer mehr eine differenzierte Auseinandersetzung. So setzt sich der Ökonom Beat Kappeler etwa in der NZZ am Sonntag vom 6.August mit den Thesen von Benkler („The Wealth of Networks“) auseinander und der Tages-Anzeiger vom 8.August würdigt die Rolle eines medienkritischen Blogs im Kontext des aktuellen Konflikts im Libanon.


Tatsächlich ist es noch nicht lange her, da äussersten sich Journalisten nur negativ, wenn es um Blogs oder die Internet Enzyklopädie Wikipedia. „Nicht brauchbar“, „schlecht“, „manipulierbar“ – hiess es da jeweils etwa in Kommentaren zu Wikipedia und Blogs waren primär Produkte von professionellen Selbstdarstellern. Sehr schön dagegen der Kommentar eines anderen Journalisten der meinte, er wünschte sich gegenüber den traditionellen Medien eine derart kritische Haltung. Was würde passieren, wenn beispielsweise die Faktenlage mancher Artikel in den Tageszeitungen derart skrupulös überprüft würde, wie dies Medienschaffende manchmal mit Wikipedia-Einträgen machen?
Tempi passati, hoffentlich: Der Ökonom Beat Kappeler bespricht in der NZZ vom Sonntag vom 6.August die Thesen von Yochai Benkler „The Wealth of Networks“ und konstatiert einen – erneuten – Strukturwandel in der Öffentlchkeit: Sie wird nämlich nicht mehr aus der grossen Hand einheitlicher Massenmedien gefüttert, sondern durch Nutzer, die aus den verschiedensten Gründen Informationen aufbereiten und zur Verfügung stellen. Sehr wohltuend auch die Einsicht zur Relativität des Urheberrechts – das immer mehr zur absurden Götze verkommt: „Denn jedes wissenschaftliche Werk, jede Meldung, jeder Film oder Song baut auf dem auf, was seit dem Neandertal ersonnen wurde. Informations- und Kulturinhalte sind zugleich Input wie Output. Verdienen werden dagegen weiterhin diejenigen, welche die Mittel der Verbreitung aufbauen: Kommunikationsfimrmen, Verlage, Internetriesen“.
Die Thesen von Yochai Benkler sind als Buch greifbar und komplett auf dem Internet zugänglich – einmal als PDF und einmal als Wiki.
Blogs und der Libanon-Konflikt
Die Berichterstattung über aktuelle Konflikte folgt einem bestimmten Schema, das sich jedes Mal unweigerlich einstellt. Nach einer Phase von – berechtigter oder nicht berechtiger – Emotionalität, folgt die ernüchternde Feststellung, dass mindestens ein Teil der Informationen, die bei uns ankommen, verändert, entstellt, manipuliert wurde. So geschieht das auch im Libanon Krieg. Der Tages-Anzeiger vom 8.August greift den Fall eines Fotografen der Bildagentur Reuter auf, der die Rauchschwaden, die nach einem Bombardement von Beirut aufsteigen, optisch verstärkt hat. Interessant, dass ausgerechnet ein Blogger diese Phänome kritisch verfolgt, erfreulich, dass dies in den traditionellen Medien wie dem Tages-Anzeiger auch zur Kenntnis genommen wird.



Publiziert von Dominik Landwehr am 08.08.2006 08:24 in Nachdenken


Keywords: [Urheberrecht] [Wikipedia]


Ausserdem