27.07.2006

Per Podcast zum (Kunst)Licht

zkmpc1.gifSich beim Ausstellungsbesuch im ZKM mal vom MedienKunst-Papst Peter Weibel persönlich begrüssen lassen?
Kein Problem.
Im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) geht demnächst die sehenswerte Schau „Lichtkunst aus Kunstlicht“ zuende. Und rechtzeitig zum Endspurt wartet das Haus nun mit einem echten Schmankerl für die BesucherInnen auf: podcast-Führungen – gesprochen von den Kuratoren selbst.


Sicher, in vielen US-amerikanischen Museen ist ein solcher Service längst gang und gebe – ob nun am SFMOMA (San Francisco Museum of Modern Art), am MOMA (Museum of Modern Art New York) oder am Hirshorn Museum in Washington.
In unseren Längen- und Breitengraden ist ein Ausstellungshaus jedoch durchaus Avantgarde, wenn es seinen BesucherInnen podcasts anbietet. Die meisten halten nämlich noch immer die üblichen Hörknochen für Audio-Führungen am Eingang bereit, die man sich dann gegen Pfand ausleihen kann.
Der Zugewinn an Einblicken wird dann nicht selten mit einem lahmen Arm bezahlt.
Mit der ebenso beliebten Alternative, den klassischen „Walkmen“, die mancherorts ausgeteilt werden, sieht es nicht besser aus – denn das bedeutet schliesslich, sich etwas über Haar und Ohr zu stülpen, was vorher bei anderen an entsprechender Stelle gesessen hatte. Auch nicht gerade lecker.
zkmpc2.gifpodcast-Führungen dagegen haben den unschlagbaren Vorteil, dass man sie sich auf das eigene Gerät herunterladen kann. Und damit nicht nur bei den gewohnten Körperextensionen bleiben darf, sondern auch die Kontrolle hat. Über Lautstärke, Pausentaste etc. pp. natürlich sowieso (so etwas haben schliesslich auch schon die meisten Audio-Guides der ‚alten Schule‘). Man kann sich zudem auch ein persönliches Audio-Programmm entweder daheim im Vorfeld oder eben live vor Ort zusammenstellen. Das gestattet im Zweifelsfall sogar, sich als Surplus zur Führung noch musikalische Untermalung nach Geschmack mit ins Museum zu nehmen.
Ob Letzteres unbedingt notwendig oder der Konzentration aufs Gebotene besonders zuträglich ist, sei mal dahingestellt. Aber wie man’s damit hält, bleibt ja jedem/jeder selbst überlassen.
Ausprobieren, wie sich das Ganze anfühlt, geht jetzt jedenfalls im ZKM.
Und natürlich auch zu Hause, insofern man sich die ZKM-Podcasts nicht nur auf dem mp3-Player in die Ausstellung mitnehmen, sondern gegebenenfalls auch am Rechner zur Nachbereitung zu Gemüte führen kann.
Ein kleinerTestbericht gefällig? Aber gern:
Da die eigenen Reisen* in die Gefilde der „Lichtkunst“ schon ein bisschen zurückliegen, wurde in unserem Fall die zweite Option gewählt.
[* Plural, und das lohnt sich auch – denn die Schau ist nicht nur megaloman bestückt, sondern wirklich die Zeit wert, die man in ihr verbringt. Daher am besten ein Wochenende in Karlsruhe buchen oder die lange Nacht der Museen, die „KAMUNA“ am 06.08. nutzen, an der das Haus bis 01:00 Uhr früh geöffnet hat.]
Also: Podcast aussuchen, lauschen und im Geiste das Bild dazu abrufen – ganz wie es die Romantiker bei ihren Kunstgesprächen hielten, die idealerweise als imaginäre Spaziergänge durch die Gemäldegealerien funktionieren sollten.
Gesagt, getan – und dabei gleich mal einen genaueren Blick auf die Funktionalität des Projekts geworfen.
Auf den ersten Blick schaut die Seite ebenso schlicht wie übersichtlich aus; Inhalt pur – das ist schon mal sehr sympathisch. Die Podcasts kann man als mp3 herunterladen, aber auch vorweg online anhören – das ist ebenfalls erfreulich. Sofort fällt zudem ins Auge, dass alle angebotenen Stücke gerade Mal plusminus eine Minute lang sind – das dürfte vielen eine Ermutigung sein, die mit verkappten Vorträgen wenig anfangen können ; selbst Peter Weibels Begrüssung/Einführung – der längste Beitrag – misst nur 2:40 min, und ist dabei sogar langsam gesprochen [sic!].
Eben diese Pluspunkte führen allerdings auch einen kleinen Nachteil mit sich: Weniger, weil man sich eine Führung Häppchen um Häppchen herunterladen muss (was allerdings auch schon ziemlich mühsam ist, denn wer kann im Vorfeld eines Besuchs schon so genau sagen, wozu man später vor Ort Audioinfos haben möchte und wozu nicht).
Vor allem aber heisst es nun: Blättern, blättern, blättern – und zwar selbst dann, wenn man weiss, wozu man gerne etwas hören möchte. Denn über eine integrierte Suchmaschine verfügt der Podcastbereich bis dato leider nicht.
zkmpc3.gifUnd auch sonst wird es denen, die sich nicht brav Nummer für Nummer lauschend voranarbeiten wollen, nicht gerade leicht gemacht
Insbesondere BesucherInnen, die sich im Vorfeld informieren wollen und vielleicht nicht ganz so firm in Kunstgeschichte sind, dürfte die sparsame Betitelung wenig sagen: Die kommt allein mit dem Nachnamen des jeweiligen Künstlers aus – Links zur eigentlich recht opulent bestückten Ausstellungsseite bzw. der dortigen Künstler- und Werkliste hätten da leichthin Abhilfe schaffen können.
Freilich nicht in allen Fällen – denn gleich der erste besprochene Künstler, „Dufy“ oder genauer gesagt: Raoul Dufy, ist dort gerade nicht gelistet.
[Beiseit: Es wäre in der Tat wohl auch nicht ganz leicht gewesen, sein für die Weltausstellung 1937 geschaffenes Wandgemälde „La Fée Électricité“ aus dem Pariser Musée d’Art Moderne mal eben abzutragen; andererseits gibt es eine Reproduktion in der Schau.]
Zudem gibt es bei vielen anderen KünstlerInnen auf den Infoseiten eben doch nicht mehr als nur den Vornamen dazu – hier könnten also selbst Links die Orientierung in den Podcasts kaum erleichtern.
Kurzum: Sich ein individuelles Menü im Vorfeld des Besuchs zusammenzustellen verlangt Vorkenntnisse und einige Geduld.
Für eine Nachbereitung wiederum sind die Podcasts vielleicht doch ein wenig kurz – denn mehr als das, was auf einer jener kleinen Karten neben dem Werk Platz hätte, die in Ausstellungen häufig als Führungssubstitut dienen, ist in einem einminütigen Schnipsel schwerlich unterzubringen. Entsprechend lakonisch kommen denn auch die einzelnen Podcasts daher; eindeutig etwas für praktisch gesonnene Gemüter.
Aber mindestens das hat unter dem Strich auch Vorteile: Didaktisch zugetextet wird hier niemand und – stellt man sich das Ganze nun in situ vor – das Auge nicht ans Gängelband des kuratorischen Blicks gelegt.
Gleichwohl – against all odds:
Unter dem Strich bleibt der Vorstoss des ZKM in jedem Fall eine lobenswerte Initiative: Denn Details lassen sich jederzeit nachbessern, ein Suchmaschinen-Einbau ist ebenso denkbar wie die Aufstockung der Mini-Casts um Vorträge oder mit einer Ausstellung in Verbindung stehende Musik. Und schliesslich wollen gute Ideen ja auch erst einmal in der Praxis getestet werden.
Insofern: Gerne mehr!



Publiziert von Admin Deutsch am 27.07.2006 00:06 in Hören


Keywords: [Medienkunst]


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