21.06.2006

Radio Nirvana

Dem digitalen Radio gehört die Zukunft – das ist eine der Schlussfolgerungen einer wichtigen Konferenz, die vom 15. Mai bis 16. Juni in Genf stattgefunden hat.


Es tagten über 1’000 Delegierte aus 104 Ländern im Rahmen der ITU Region Radiocommunication Conference. Dort wurde unter anderem verhandelt, welche Radio-Frequenzen wo für was verwendet werden können. Die Delegierten haben offenbar auch für die Schweiz folgenreiche Entscheide gefällt. So soll zum einen der digitale Rundfunk bis 2015 die analogen Ausstrahlungen ersetzen. Und – für das Radio interessant – die Schweiz hat 7 nationale Abdeckungen für digitales Radio zugesprochen erhalten. Mittels DAB (Digital Audio Broadcasting) lassen sich, gemäss heutiger Technik, pro „Abdeckung“ gut 10 Audiokanäle übertragen. Dies würde also bedeuten, dass – rein theoretisch – in absehbarer Zeit um die 70 sprachregionale Radios möglich sind.
Auf UKW gibt’s derzeit nur die SRG-Kanäle, die in einer ganzen Sprachregion zu empfangen sind, also in der Deutschschweiz deren 3. Da und dort ist auch La Première und Rete Uno zu hören. Machen wir also 5 draus. Dann gibt’s im Moment 1 aktives DAB-Ensemble in der Deutschschweiz, das aber nur 5 Programme bietet, die nicht auch auf UKW zu hören sind. Sind insgesamt 10, plus Mittelwelle, gibt 11. 11 sprachregionale Radioprogramme aktuell, mindestens 70 in Zukunft – theoretisch. Machen die Schweizer Behörden und Rundfunkveranstalter ernst mit der Umsetzung der ITU-Beschlüsse, dann können wir per 17. Juni 2015 unsere UKW-Radios verschrotten. Aber ganz so heiss wird die Suppe wohl nicht gegessen, wie sie da in Genf gekocht wurde. Zum Beispiel will erst mal die ganze Infrastruktur aufgebaut sein für diese „Abdeckungen“. Denn auch der digitale Rundfunk (DAB-Radio und DVB-Fernsehen) braucht über’s Land verteilte Sender. Bakom-Studien zeigen, dass so ein sprachregionales DAB-Netz irgendwas zwischen 100 und 200 Millionen kostet, alleine für die Infrastruktur. Wer soll das bezahlen? Aber immerhin: Fände sich ein mutiger, eher langfristig denkender Investor, böte sich dem ein „Window of Opportunity“, die Schweizer Radiolandschaft gehörig aufzumischen. Frei assoziiert, ein mögliches Szenario: Cablecom baut die Infrastruktur für eine „Abdeckung“ / ein Ensemble, um Konkurrenz zu ihrem Kabelangebot auszuschalten und vermietet die Sendekapazitäten integral an die NRJ-Gruppe, die die 10 Kanäle mit links füllt, weil sie schon lange darauf gewartet hat, den Schweizer Markt breit erschliessen zu können…



Publiziert von Admin Deutsch am 21.06.2006 10:55 in Hören




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